Ein Wohnsiegel gegen Albträume am Bau

Björn Engholm wirbt für Qualitätsstandards beim Hausbau

Der ehemalige Ministerpräsident von Schleswig-Holstein und vorherige Bundesbildungsminister Björn Engholm will seine im Jahr 2001 gegründete Initiative zur Qualitätssicherung im Ein- und Zweifamilienhausbau ausweiten und mit dem dazu ins Leben gerufenen „Verband Wohnsiegel – Das Europäische Markenhaus e.V.“ einen Mindeststandard für Projektentwickler und Bauunternehmen schaffen. Das berichteten die Verbandsvorstände Engholm und Heinz H. Lachmann in einem Gespräch mit dieser Zeitung.

Die Schäden, die vor allem im Ein- und Zweifamilienhausbau durch insolvente Baufirmen und durch Pfusch am Bau entstehen, seien nicht akzeptabel, betonte Engholm. Der Verband Wohnsiegel soll deshalb die Qualität der Anbieter von Massiv- und Fertighäusern jährlich prüfen, deren Bonität beurteilen und durch Verleihung des Wohnsiegels für deren Seriosität bürgen. Die technische Qualität wird durch Baufachleute und Ingenieure von TÜV und DEKRA überprüft und die Bonität regelmäßig durch Wirtschaftsprüfer. Auch werden die Vertragswerke mit den Kunden juristisch auf Verbraucherfreundlichkeit und auf Fallstricke abgeklopft, die dem Verbraucher zum Verhängnis werden könnten.

„Wir müssen für eine erhöhte Transparenz der Leistungen auf den Märkten beitragen“, betonte Engholm. Deshalb würden die Mitgliedsfirmen des Verbandes – mittlerweile 60 Betriebe an mehr als 70 Standorten in Deutschland – durch Testkäufer überprüft und die Kunden regelmäßig über ihre Erfahrungen mit dem Bauunternehmen befragt.

Der Verband will ein verlässliches Netzwerk zwischen dem Bauherrn als Kunden und dem Bauunternehmen schaffen: Beide müssten an einer reibungslosen

Lieferung der Leistungen interessiert sein. Im Konfliktfall bietet der Verband eine neutrale Vermittlung an. Außerdem bietet er den Mitgliedsunternehmen Sonderkonditionen für die Baustellenüberprüfung und für die Baufertigstellungs- und Baugewährleistungsgarantie an, die sie gegenüber ihren Kunden abgeben.

Horst Dümer, der dem Verband im vergangenen November beigetreten ist, und sein gleichnamiges Bauunternehmen in der Nähe von Kassel in der zweiten Generation führt, berichtete in dem Gespräch, sein Unternehmen habe bisher mehr als 2000 Häuser erstellt – überwiegend mit alteingesessenen Handwerksbetrieben.

260 Häuser habe er im Rhein-Main-Gebiet errichtet – überwiegend nach den Entwürfen der Bauherren und ihrer Architekten. Dümer sagte, der Markt für

Eigenheime sei äußerst schwierig geworden. Es seien alle Anstrengungen erforderlich, um den Bauherren Sicherheit zu geben.

Das gelte besonders, angesichts der sich in Etappen verschärfenden Vorschriften für Energieeffizienz und Umweltschutz in Wohngebäuden. 70 Prozent seiner Häuser seien mit Wärmpumpen ausgestattet. Die Bezeichnung Niedrigenergiehaus beschreibe ohnehin nur einen geschuldeten Standard nach der Energieeinsparverordnung, sei also nichts Außergewöhnliches. Zu seinen Kunden zähle auch der thüringische Ministerpräsident.

Autor: Jens Friedemann


Frankfurter Allgemeine Zeitung | 2. Mai 2008

Überprüfte Qualität, Bonität und Seriosität der Anbieter von Ein- und Zweifamilienhäusern, fordert der Verband „Wohnsiegel – Das Europäische Markenhaus e.V.“.

Und er dokumentiert es für seine Mitgliedsunternehmen: Nam­hafte Hausbaufirmen, Massiv- und Fertighausanbieter, die sich regelmäßig strengen Prüfungen unterziehen müssen.

Gewinner der hohen Anforderungen sind die Verbraucher.

Außerdem soll – gemäß dem europäischen Vorbild – keine Trennung mehr innerhalb der verschiedenen Arten von Baustoffen stattfinden, sondern Synergieeffekte für alle Beteiligten entstehen und genutzt werden.

Der Verband versteht sich daher nicht als eine Organisation für Mitglieder, sonder primär als moderner Qualitätssicherungsverband, der unabhängig und verbraucherorientiert handelt.